Der stille Verfall von Institutionen

Jasay’s Garden 2026 – Muster, Mechanismen und Grenzen institutioneller Ordnung

Jasay’s Garden widmet sich 2026 einem Thema, das selten laut verhandelt wird – und doch allgegenwärtig ist: dem Verfall von Institutionen.

Institutionen sind die unscheinbaren Träger moderner Ordnung. Sie strukturieren Erwartungen, begrenzen Macht, ermöglichen Kooperation und schaffen Verlässlichkeit über persönliche Beziehungen hinaus. Gerade deshalb werden sie meist erst dann wahrgenommen, wenn sie nicht mehr funktionieren.

Der Verfall von Institutionen vollzieht sich selten spektakulär. Er geschieht schleichend: durch Überlastung, durch Regelanhäufung, durch Machtverschiebungen, durch Selbstreferenz. Oft bleibt er lange unsichtbar, weil Institutionen auch im Verfall noch arbeiten – nur schlechter, träger, widersprüchlicher.

In diesem Jahr soll es nicht um Tagespolitik gehen, nicht um Schuldzuweisungen und nicht um Reformprogramme. Es geht um Muster:
um wiederkehrende Dynamiken, zeitlose Mechanismen und strukturelle Gesetzmäßigkeiten, die institutionellen Verfall begünstigen oder beschleunigen.

Die Beiträge in Jasay’s Garden 2026 folgen dabei einer einfachen Ordnung:

– Garden Notes greifen Beobachtungen, Szenen, historische oder kulturelle Motive auf. Sie sind bewusst offen, manchmal fragmentarisch, oft essayistisch.
– Garden Essays gehen tiefer. Sie entwickeln Begriffe, Theorien, Fallanalysen und systematische Zusammenhänge.

Historische Beispiele werden ebenso eine Rolle spielen wie moderne Fälle. Antike Reiche, Handelsordnungen, Bürokratien, Wirtschafts- und Finanzsysteme. Nicht als Gleichsetzungen, sondern als Vergleichsräume.

Ein besonderer Fokus liegt auf der Frage, wie Institutionen scheitern, ohne zusammenzubrechen – und warum moderne Gesellschaften oft lange mit dysfunktionalen Ordnungen leben, bevor Brüche sichtbar werden.

Der Blick ist dabei bewusst ordnungspolitisch und klassisch-liberal geprägt, ohne normativ zu übersteuern. Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und Marktwirtschaft dienen als Orientierung, nicht als Idealisierung.

Am Ende steht keine Heilslehre. Vielleicht nicht einmal ein Rezept.
Aber hoffentlich ein klarerer Blick darauf, warum Institutionen altern, warum sie sich gegen Korrektur sperren – und unter welchen Bedingungen Erneuerung überhaupt möglich wird.

Das erste thematische Wochenende folgt unmittelbar.